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Seelengedanken

Momentaufnahmen eines Gefühlslebens, begonnen 2003 - nichts besonderes... Und auch nicht alltäglich?

Geschrieben für mich, für mich und für mich. Verarbeiten, festhalten, memorieren. Für mich. Wenn es anspricht, verneige ich mich dankend (für ehrliche Kommentare ebenso), wenn es das nicht tut: fare thee well (ohne Ironie).




Verfasst am 28.03.2011 23:40:19 Uhr
Jonglieren
Fast zwei Wochen im Griff.

Fast zwei Wochen habe ich es geschafft, die Bälle oben zu halten. Hin und wieder trudelte einer etwas aus der Reihe. Eine flüchtige Korrektur in der Griffolge, dann ging es flüssig weiter. Hopp, hopp, hopp, hopp....

Die letzten zwei Tage hatten es angekündigt. Vieles um mich, nicht nur, um mich abzulenken - nein, auch, um von mir abgelenkt zu werden, um mich zu erleben. Volltreffer. Ich genoß - und im Gegenzug. "Du bist es wert, dich rar zu machen. Du bist ohnehin schon toll genug." "Sie war so begeistert von dir..." Von Menschen, die ich selbst wegen ihrer Art liebe, bewundere, und durch mich selbst an diesem Abend nicht mal komplett, nur in fortgeschrittenen Ansätzen zurück geführt zu dem, was ich tatsächlich sein kann. Wenn man mich lässt, wenn man mir die Zeit, die Gelegenheit gibt, wenn ich Gelegenheit gebe und nicht fixe Rahmen...

... und heute verlor ich sie. Die Bälle. Ich starre ihnen immer noch hinterher, meine Hände greifen ins Nichts, zu langsam, dann trudele ich hinterher, habe das Gefühl zu fallen und zu fallen und zu fallen...
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Verfasst am 13.03.2011 21:36:38 Uhr
Und dann...
... kam sie an, die Karte. Eine von den beiden. "1000000 Umarmungen und Küsse". Nach dem Gespräch, mit dem ich mein erneutes Zweifeln in verspürter Echtheit beiseite legte. Ich gab der Hoffnung wieder Raum.

Und dann...
... eine weitere Woche. Der Hoffnung wurde eine Rast am Wochenende gewährt, um sich auszuleben, Kraft zu schöpfen für weitere bekannte Wochen der Abwesenheit. Soweit gefasst, daß ich wusste: sollte es erneut nicht zustande kommen, würde ich von mir für mich Konsequenzen ziehen.
Als ein Nichtzustandekommen bekannt wurde, stand ich nicht allein. Ich stand nur allein mit meinen Tränen. Er mit seinen Schuldgefühlen. Daß die Zeit nicht reicht. Er seinen eigenen Anforderungen nicht gerecht wird.

Zu viel falsch gemacht. Zu ehrlich, zu offen, statt zurückhaltender zu sein. "Man sollte den Menschen nicht immer gleich sagen, was man denkt." Oder fühlt. Und erst recht nicht Männern.

An den Gefühlen lag und liegt es angeblich nicht. Doch nach "ich bin seit zwei Wochen immer mit dem Gedanken eingeschlafen, ich hätte es dir gleich beim ersten sagen sollen, daß die Zeit einfach nicht reicht, um eine Beziehung zu führen" frage ich mich: liegt es nicht? Oder ist es wieder nur ein verdrängen, hinausschieben? Und ich bin die Dumme, die dann insgeheim ein bißchen auf Dauer ganz tief drin doch noch hofft?

Und nun...
... Leere. Alles auf Anfang. Und noch weniger. Gefühlte Zeit und Herz rinnen mir zwischen Fingern und Narben davon.
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Verfasst am 27.02.2011 21:04:55 Uhr
Gespräche
„Ich will endlich einmal ankommen“. „Ja. So geht es mir auch.“ Über Wochen hinweg Pläne, die ich selbst ein wenig ausbremse: „Lass uns nicht zu weit in die Zukunft denken, wer weiss, was kommt. Wie wäre es erst mal mit einem Vierteljahr?“ „Darauf freue ich mich. Auf die kommende Zeit mit dir.“ „Ja,“ erwidere ich, „ich auch. Wahnsinnig.“
Wenn die Zeit nicht ausreicht um sich zu sehen (und das tut sie überwiegend), ist es das Telefon. Meist täglich. Wochenlang. Dann nimmt es ab. Sein Urlaub, gebucht, ehe wir uns kennen lernten, naht. Südamerika. So vieles noch zu regeln vorher. Kaum noch Zeit, kaum noch gewechselte Worte. „Ich habe Angst,“ sage ich. „Angst, daß du einfach verschwindest.“ Wir erzählen uns jeder eine Geschichte. Gleiche Erfahrungen. „... deshalb werde ich nicht einfach verschwinden. Und wenn ich also jemanden verlasse, dann mit einem Paukenschlag. Damit man mich so schnell nicht vergisst.“ Er lacht.
Die Abreise steht gewissermaßen vor der Tür. „Ich werde dir Karten schreiben. Einmal die Woche. Bei dreien sollte doch mindestens eine ankommen. Und vielleicht ist auch ein Brief dabei. Meldest du dich? Nur eine SMS. Alle paar Tage. Das würde mich freuen.“ „Du solltest dich mehr auf deinen Urlaub konzentrieren. Wir wissen beide, wie nötig du ihn hast. Aber... ja. Gern. Und du musst mir nicht schreiben – aber wenn... dann freut es mich umso mehr.“ „Aber ich hab doch Zeit. Ich schreib dir.“


Wieder blicke ich auf die eine Karte, die eine Woche nach seiner Rückkehr angekommen ist. „Du mein Tagebuch“ steht darauf und einige zu einem Satz geformten Worte. Ich schiebe sie zurück unter den Magneten an der Kühlschranktür. So, daß man auf den ersten Blick den Text sieht, aber nicht, daß sie von den Malediven kommt.


Zwei Wochen zuvor starrt mein Herz, mein Schmerz von einem Bruder mich provozierend an. „Du willst also abgeholt werden?“ Wir sind beide betrunken. „Nein! Das ist es nicht, ich weiss nur nicht, warum ich...“ „Du bist bereit, etwas zu ändern, alles zu ändern, gut, aber aus dir selbst heraus änderst du nichts, seit Jahren! Du wartest immer nur! Stehst da, wie an einer Bushaltestelle und...“ „Du weisst doch, daß ich immer einen Grund brauche! Berlin! Du weisst, ich wäre nie freiwillig nach Berlin gegangen, wenn es nicht nötig gewesen wäre, um mein Ziel zu erreichen. Ausgerechnet Berlin! Und trotzdem hätte mir nichts besseres passieren können.“ „Dann mach es erneut! Zieh um! Seit 10 Jahren hockst du da. Du musst da raus!“ „Das geht nicht, weil...“ „Jaja, wegen der Katzen, wegen des Gartens, wegen der Wohung, wegen des Geldes, von dem du jetzt allerdings mehr hast als damals... Mein Gott, siehst du nicht, daß du dich nur selbst belügst?“ „Ich müsste den Job wechseln....“ „ Das müsstest du nicht.“ Ich werde zornig. „Ach nein? Gut, dann ziehe ich in das nächste verkackte Dorf, in dem alles genau so sein wird wie hier auch. Oder ich ziehe direkt in die Kleinstadt und damit erst recht die Arschkarte, weil sich die ganzen Einäugigen hier wie die wahrhaft Sehenden vorkommen! Glaubst du wirklich, es würde etwas ändern, wenn ich nur die Wohnung wechsle? Mal ab davon, daß ich den Balkon streichen könnte, geschweige den Garten. Und wenn mich ansonsten noch wirklich etwas interessiert, sind es meine Kräuer und Rosen, das weisst du!“ „Aber es wird nur alles anders, wenn du es trotzdem tust! Dann erst hast du die Chance! Weisst du, wie weh es tut, dich so zu sehen?“ Seine Eindringlichkeit lässt mich die Tränen spüren. Ich weiss nicht, wie lange ich schon weine. Ich werde leise. „ Aber ich habe die Kraft nicht. Ich habe kein Ziel mehr außer dem, was ich geschafft habe. Nur noch das eine...“ „... abgeholt zu werden.“ Er klingt bitter. „Aber es wird dich niemand abholen, weil du dich selbst nicht bewegst.“
Als er seine Anklage zum Klo mitnimmt, geht mein aufgelöstes Ich ohne ein „Gute Nacht“.


Er hat sich entschuldigt am nächsten Morgen. Der andere hat mir nach seinem Urlaub eine Mail geschrieben, „Du fehlst. (<- PUNKT)“ als einziger Inhalt. Wir haben das gleiche Empfinden um Satzzeichen und ihre Bedeutung, vielleicht weil wir das gleiche Empfinden um uns haben. Tagebücher. Der nächste hat einen Anruf und darin selbst den Glauben an Zukunft hervorgelockt – und ist mit seinen Zusagen vorerst verschwunden.

Nun sitze ich hier und weiss nicht, was anfangen. Optionen schmieden? Für die nächsten Jahre? Will ich das?

Ich hätte alles geben wollen. Alles. Und suche mich nun doch einfach nur abzuhalten von Meldungen. Wer sich nicht meldet, während ich mich immer wieder gemeldet habe, hat eine weitere meinerseits nicht verdient.

Was daran schmerzt: ich kann ihn nicht einmal bewusst ignorieren. Dazu bedraf es einer Meldung – die nicht kommt...
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Verfasst am 26.02.2011 21:40:59 Uhr
Müde
Die Erklärungen waren tatsächlich harmloser Natur. Und für zwei Tage war es mir genug, um wieder ganz die Hoffnung entgegen zunehmen, die ich augenscheinlich offeriert bekam.

Wie könnte ich es mir selbst übel nehmen. Zu lange hatte sie keinen Grund mehr gehabt. Dabei steht sie doch so gerne. Ist so gerne. Möchte so gerne auch einmal wieder einen Schritt tun, zwei Schritte, drei...

Doch wieder – luftleerer Raum. Worte weben Gespinste von Bildern der Zukunft, die Hände reißen sie gedankenlos wieder ein. Die Zeit bläht sich zu einer Blase des Stillstandes. Vermutlich, um irgendwann wieder anzuknüpfen, wenn sie es wieder erlaubt.

Aber der Rest bleibt nicht stehen. Mein Erleben bleibt nicht stehen.
Und allmählich erscheint es mir nur noch wie ein Traum, den ich einige Wochen lang so intensiv verfolgt habe, daß es sich anfühlte, als sei es tatsächlich real. Es braucht nicht viel, um es das wirklich werden zu lassen. Kaum Beweise außer in eigenem Tun, die mir widersprechen würden und selbst jene sind schnell ausradiert.

Was mir nach dem Aufwachen bleibt, ist Wut und Angst. Wut über die Enttäuschung, also über mich, die ich mich täuschen ließ und die sich selbst das Tuch von den Augen ziehen musste, Wut über seine eigenen Fehleinschätzungen, die er kennen müsste, also wieder über mich, die geglaubt hat, Wut über den wortkargen Rückzug, das einfache Verschwinden.
Und dann die Angst, was es nun wieder hinterlassen wird. Wann es sich zeigen wird. Ob es sich überhaupt zeigen kann, ob ich es zulassen können werde, oder das nächste Mal nicht doch einfach selbst gehe, nicht zulasse.

Es tut nicht einmal mehr richtig weh. Es raubt einfach nur die restliche Energie.
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Verfasst am 20.02.2011 00:50:45 Uhr
Und wieder ganz anders.
Ich war stolz auf mich. Lange Wochen habe ich es geschafft, alle dem Glück widerstrebenden Gedanken unter Klarsichtfolie zu verschließen. Hin und wieder habe ich sie betrachtet, das ein oder andere Mal gegen die Membran getippt, als begrüßte ich einen alten Bekannten durch eine Scheibe hindurch. "Ich kenne dich, du bist ein Teil von mir - aber komm mir nicht zu nah." Mein Lächeln war ein wehmütig - aber frei.

Dann fiel der Stolz. Brach Stück für Stück unter der fehlenden Wahrnehmung zusammen, verlor an Substanz.

Jetzt sitz ich hier. Ich suche die größten Stücke, schließe sie in meine Hände. Vielleicht geben sie noch ein bißchen Sinn, wenigstens. Vielleicht halten sie noch ein wenig, auch ohne Mörtel. Vielleicht schaffe ich es, einen Grundstock erneut zu erzeugen.



Die letzten Wochen waren bitter. Mitten in die Phase des erhabenen Stolzes des "ich schaffe es" fiel die Talfahrt meines Herzens, meines Schmerzes. Meines "Blut ist dicker als Wasser"-Verbündeten. Meines oft so fernen Seelenverwandten. Sein - und auch ihr - Schmerz wurde zu meinem. Mit ihnen begann mein eigener Stolz zu bröckeln. Nicht nur deshalb, nein.
Aber einmal mehr... man und nicht nur ich hatte gedacht, es hielte. Es würde überdauern, welche Zweifel auch geäußert wurden. Es schien so seit Jahren. Es schien. Und dann war nur noch Spiegel, aber kein Licht mehr. Oder Licht, aber kein Spiegel mehr?

Kurz danach anderes. Unausgesprochene Versprechungen verpufften über Kilometer hinweg. Sorgen meinerseits, warum nicht erfüllt, überwogen und wurden zu einem Teil bestätigt. Unter diesen Bestätigungen ging der Ärger je verloren.

Dann heute abend. Es gäbe harmlose Erklärungen. Wenn sie nicht harmlos sind, sind sie so einschneidend, daß die letzten Wochen und Monate zu einer Lüge verkommen, die ich durchzustehen nicht die Kraft habe. Die ich vermutlich auch in der Zukunft nicht werde ertragen können. Zuviel. Sind es Lügen - dann werden sie das Sahnehäubchen sein, das mich jenes persönlichen Glückes verweisen wird.

Ich möchte weinen. Und ich möchte niemanden neben mir, der sagt "weine nicht". Ich will jemanden, der sagt "weine". Weine dir den Schmerz von der Seele, weine die Möglichkeiten fort, die ihn bieten, finde Ruhe, wie auch immer. Weine. Bis nichts mehr übrig ist außer dir selbst. Du musst nichts dafür tun, nichts ändern an deinen Umständen, du musst nur sein wie du selbst.

Dann erkenne ich es vielleicht irgendwann an. So ganz und rund. Daß ich niemanden brauche, auch wenn ich will. Und ich will.
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